Senior In Thailand

Als Senior in Thailand

ALLE 2 WOCHEN, MONTAGS, EIN NEUER TEIL!

Jede Menge nützlicher Tipps für ältere Herrschaften, die vom Winter oder von Deutschland genug haben, aber auch für alle anderen!

Der Thai-Ticker veröffentlicht diesen Ratgeber als Serie, alle zwei Wochen ein weiterer Abschnitt aus der neuesten Auflage des erfolgreichen E-Buchs. Wie das Buch bestellen können, das finden Sie hier und die Webseite zum Buch hier.

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Themen heute: 1 Erziehung und 2 Frauen-Power

Erziehung

Erstmal hat Erziehung wenig damit zu tun, wie es einem als Senior in Thailand ergeht, aber die Erziehung hat einen wesentlichen Anteil daran, wie die Leute so ticken. Deshalb.
Eine Erziehung von Kindern und Heranwachsenden gibt es in Thailand nur in Ausnahmefällen. In der Regel kann das Kind tun und lassen, was es will und niemand wird ihm sagen, dies darfst Du machen, jenes darfst Du nicht machen. Sie sind, wie auch bei den Chinesen, die „kleinen Prinzen“ bzw. „Prinzessinnen“, die alles dürfen. Die Kinder essen neben dem Spielen her, wobei die Mutter dann hinterherläuft und versucht, dem kleinen Racker immer wieder ein Löffelchen Reis in den Mund zu schieben. Feste Schlafenszeiten gibt es nicht: wenn das Kind müde ist, dann legt es sich eben hin und ratzt. Ebenso ist es in Thailand die Norm, daß Erwachsene den Kindern in öffentlichen Verkehrsmittel Platz machen, wo in Deutschland gilt, daß man alten und gebrechlichen Menschen Platz macht. In Thailand heißt es, die Kinder sind die Zukunft, was das Verhalten erklärbar macht. Den Kindern werden auch keine Verhaltensregeln beigebracht, das ist wie antiautoritäre Erziehung „a la Summerhill“. Einzig der Respekt vor Älteren wird gelehrt. Aber sonst …?
Man könnte anfangen zu fragen, ob die Erziehung im Elternhaus oder erst in der Schule beginnen sollte. Immerhin, in der Schule lernen die Kleinen das erste Mal Disziplin, und zwar die konfuzianische Art, also Gehorsam und ohne nachzufragen. Aber bekanntlich bildet sich das Sozialverhalten eines jeden Menschen bereits in den ersten vier Lebensjahren aus. Da ist dann die Schule auch zu spät. Und das Gefühl als Prinz/Prinzessin wirkt auch im weiteren Leben nach. Die Dünnhäutigkeit und die Unfähigkeit, Kritik zu ertragen, kommt sicherlich auch daher.
Dazu kommt, daß Thais überhaupt keinen Sinn für geplante Erziehung haben, also was wann einem Kind beizubringen ist. Zum Beispiel: so Sprüche wie „Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht!“ gibt es in Thailand nicht. Niemand erwartet von Eltern pädagogische Kenntnisse, auch in Deutschland nicht, aber im Westen erhalten Kinder eine „Ausbildung zum Leben“, in der ihnen Stück für Stück beigebracht wird, wie man sich normalerweise verhält, damit man heil und ungeschoren durchs Leben kommt. Aber wenn es keiner dem Kind sagt, woher soll es dann wissen, was richtig und falsch ist? All das ist in Thailand normalerweise kein Thema, vielleicht mit Ausnahme der reichen Familien, die dazu vielleicht auch noch Auslandserfahrungen haben. Oder eine qualifizierte Nanny.
Ich finde das auch deshalb problematisch, weil vonseiten der Regierung keinerlei Initiative oder Unterstützung kommt, um kleine Kinder auf das Leben vorzubereiten. Ob ich mich da aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, die Regierung hat keinerlei Interesse an selbstbewußten Bürgern, die wissen, wo es lang geht? Die vielleicht kritische Fragen stellen und die Regierung gar kontrollieren wollen?
Viel mehr Kitas (Englisch: Nursery) wären sinnvoll in Thailand, weil viele Frauen auch arbeiten müssen, aber es gibt nur wenige Kitas, in denen dann ausgebildete Erzieherinnen zum Zuge kommen. Und selbst die kann sich nur die Mittelklasse aufwärts leisten. Kindergärten gibt es zwar, aber die guten sind teuer und elitär, die anderen machen maximal Beschäftigungstherapie in Form von Spielen, Futtern und Schlafen. Nur zu oft wird das Kind bzw. die Kinder in die Obhut der Großeltern gegeben,- als ob die von Erziehung etwas wüssten. Die schleimen sich genauso bei den Kindern ein wie auch im Westen: Ein Enkelkind darf bei der Oma praktisch alles … Und ab und zu habe ich auch schon gesehen, daß die Eltern ein Kind mit in die Arbeit genommen haben. Das wird auch vonseiten der Firma meist nicht verboten.
In der Schule – und das ist durchgehend – liegt der Schwerpunkt auf dem Pauken von Wissen, also Auswendiglernen: Der Lehrer gibt vor und alle haben sich den Stoff zu merken. Fragen sind unerwünscht und irritieren nur die Lehrkraft. Analytisches Denken steht nicht auf den Lehrplänen. Zu fragen, warum etwas so und nicht anders ist, verwirrt den Lehrer ungemein,- er weiß es ja oft selbst nicht. Das führt dazu, daß Thais relativ viele Fakten kennen, diese aber nicht analytisch anwenden können. Beispiel: Sie wissen, daß eine Sache funktioniert, aber nicht warum. Und: Ich war immer wieder überrascht, wie viele englische Wörter meine Mitarbeiter kannten, aber sie haben sich nicht getraut, auch Englisch zu sprechen. Oder: Thais können eine Maschine bedienen, wissen aber nicht, wie sie funktioniert. Und sie lernen, für Problem A gibt es die Lösung 1 und für Problem B gibt es die Lösung 2. Wenn aber das Problem weder A noch B, oder eine Mischung aus A und B ist, dann stehen Sie auf dem Schlauch. Diese „analytische Schwäche“ zieht sich teilweise bis ins Studium.
Aber in der Schule wird das konfuzianistische Obrigkeitsdenken verfestigt, zusammen mit der Einschränkung der (in jungen, pubertären Jahren so wichtigen) Individualität. Der Haarschnitt ist vorgeschrieben, bei Mädchen etwa darf das Haar nicht den Kragen erreichen. Alle müssen die gleiche Schuluniform tragen, aber für viele ist das keine Einschränkung, sondern der Beweis der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Institution, hier eben die Schule. Dieser Gedanke, daß man wo hingehört und mit der Gruppe geht oder fällt, das ist im Konfuzianismus verankert. Und den Regierenden passt das hervorragend ins Konzept, weil die Leute dann nicht kritisch werden und aufbegehren. Eben dieser Umstand führt nebenbei immer wieder zu sinnlosen, aber blutigen Kämpfen zwischen rivalisierenden Schulen, vor allem Berufsschulen. Dabei geht es angeblich darum, die Ehre der eigenen Schule oder Institution zu verteidigen. Da ist es dann auch nicht mehr weit zu rechtsradikalen Ideen. So waren es aufgepeitschte Berufsschüler, aus der Provinz angekarrt, die 1976 das Massaker an den Studenten der Thammasat  Universität begangen haben, weil ihre Führer gesagt hatten, auf der Uni hätten sich Kommunisten verschanzt. Das war natürlich Mumpitz, aber es reichte, um die Jugendlichen anzustacheln und es wurde einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Thailands. Eine der Schläger-Gruppen nannte sich übrigens (übersetzt) Red Bull.
Ein berufliches Bildungssystem, oder gar wie bei uns ein „duales System“ gibt es praktisch nicht, man wird lediglich angelernt, was aber doch recht oberflächliches Wissen bleibt. Mit der Zeit werden die Arbeiter recht gut in allen praktischen Bereichen, fallen aber sofort auf die Nase, wenn theoretisches Wissen gefragt ist. Und umgekehrt ist es der Fall, daß Studenten genau erklären können, warum eine Sache so und nicht anders zu behandeln ist. Sie versagen aber dann, wenn sie das praktisch selbst machen sollen. 
Als Ausländer sollte man aber nichts an der Erziehung und Ausbildung in Thailand kritisieren, denn damit macht man sich nur furchtbar unbeliebt,- wie gesagt, sehr dünnhäutig.
Wenn Sie nähere Einzelheiten  über das Schul- und Universitäts-Wesen wissen wollen, dann  kann ich Sie auf die deutsche Wikipedia Seite hinweisen, denn dort ist es eigentlich ganz gut und prägnant  erklärt: https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungssystem_in_Thailand.

Frauen-Power

Auch auf die Gefahr hin, daß ich mich damit in die Nesseln setze, hier wenigstens ein paar Worte zum Thema Frauen in Thailand. Dabei kann es sich nur um ein paar Aspekte handeln, denn das Feld ist riesig. Andererseits gelten viel Dinge auch für die umliegenden Länder in Südost-Asien.’Zuerst mal, vergessen Sie ganz schnell das Bild von der unterwürfigen Sex-Katze, die auf den Bummsbomber wartet, auf seine Kohle und seinen Schmerbauch, bereit ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Das gab es nie und gibt es derzeit schon gleich erst recht nicht! Dieses Bild dient wohl eher bestimmten deutschen Damen als Feindbild, um die „Konkurrenz“ aus Thailand madig zu machen. Wer als Mann solche Thailänderinnen sucht, der wird sie nur im Rotlicht finden, und da geht es genauso ums Geld und schon überhaupt nicht um Gefühle, wie überall woanders auf der Welt auch, punktum.
Die Erziehung – sofern es sowas überhaupt in Thailand gibt – von kleinen Mädchen predigt den Gehorsam gegenüber der Familie und dem Ehemann. Und zwar genau in dieser Reihenfolge! Es gibt das thailändische Sprichwort, das wohl Männer geprägt haben, daß die Frauen „wie die Hinterbeine des Elefanten sind, sie bewegen das Tier vorwärts, aber sie bestimmen nicht die Richtung“. Daran stimmt, daß die Frauen jede Menge Power haben, aber es ist falsch zu glauben, sie hätten keinen Einfluß, in welche Richtung es geht. Sie geben bloß nicht damit an, wenn sie den Mann in eine Richtung „motiviert“ haben.
Dazu kommt, daß die Frau in der Regel das Budget = Haushalts-Einkommen verwaltet. Traditionell übergibt der Mann seinen Arbeitslohn bzw. Verdienst der Frau zur Aufbewahrung und Verwaltung.  Damit ist er auch die Verantwortung los, sich darum zu kümmern, daß das Geld reicht! Denn SIE muß nun dafür sorgen, daß das Geld bis zum nächsten Zahltag reicht (und SIE ist zuständig dafür, mehr Kohle aufzutreiben, wenn es nicht langt!). Wenn ER mit Freunden einen drauf machen will, dann muß (!) sie ihm das nötige Geld rausrücken, aber jedes Mal nachfragen, das macht kein Mann öfters als wirklich (gefühlt) notwendig.
In der westlichen Welt haben wir seit ein paar Jahrzehnten eine sehr dominante Frauen-Bewegung. In ganz Asien gibt es nichts dergleichen oder besser, nichts so Auffälliges wie in Europa. Natürlich gab und gibt es Organisationen wie Empower, die den Frauen in der Patpong und Soi Cowboy etc. helfen, damit sie mit ihrem Job besser klarkommen und auch mehr verdienen können, etwa durch Englisch-Unterricht. In der Art gibt es viele kleinere Organisationen, die aber alle nicht so viel öffentlichen Wind machen, wie man es von europäischen Frauen-Organisationen kennt.
Trotzdem haben die Frauen in Asien und, wo ich es direkt miterlebe, in Thailand wohl mehr Einfluß, ohne dafür erst auf die Straße oder durch die Medien marschieren zu müssen. Durch die mangelnde optische Präsenz einer irgendwie gearteten Frauen-Power wird dieser Einfluß schwer unterschätzt, von den einheimischen Männern, aber auch von den „Emanzipierten“ in der westlichen Welt. Aber mal einfach gefragt, wo gab es mehr weibliche Regierungs-Chefs, in Asien oder in der ganzen westlichen Welt? Ohne jetzt nachzählen zu wollen, glaube ich, in Asien.
Wie gesagt, in der Erziehung wird allen beigebracht, angepaßt und unauffällig zu sein, jedoch den Mädchen noch mehr als den Jungens. Das führt aber auch dazu, daß die Mädchen mehr Energie darein setzen, mit den Jungens auf pari zu sein. 
Dazu kommt, daß das Bild der asiatischen Frau im Westen geprägt ist durch die Frauen in den Städten. Und das ist substantiell anders als das Leben auf dem flachen Land. Trotz des gleichmacherischen Einflusses von Fernsehen und Werbung, was ja auch die Haushalte in den Dörfern längst erreicht und beeinflußt hat. In den Städten ist der Einfluß der chinesischen Lebensweise mehr mit dem traditionellen Thai Lebensstil verwoben. In der Stadt gibt es Büro-Arbeiter, Beamte und Unternehmer, kurz Leute, die sich nicht die Finger bei der Arbeit auf dem Feld dreckig machen. In diesem Umfeld hat sich der Charakter der Frau aus der Sicht der Männer verändert, von einer Lebenspartnerin hin zu einem Schmuckstück, mit dem sich der Mann eben „schmückt“. Wo auf dem Land der „Partner beim Arbeiten“ und im Leben das Wichtige bei der Auswahl der Lebensgefährtin ist, die eben im Feld genauso mit anpacken muß wie der Mann, da gilt in den Städten eher, daß der Mann ins Büro geht und die Frau zu Hause bleibt und sich u.a. darum bemühen soll, für ihren Mann möglichst lange begehrenswert zu bleiben. Das erklärt wohl auch, warum Haarwaschmittel der größte Posten in der Fernsehwerbung ist, gefolgt von „skin whitening“ Artikeln (mit Nivea von Beiersdorf ganz vorne dran). Diese Entwicklung vom Partner zum Wertobjekt ist natürlich nicht allumfassend, geht aber schon lange so. Die Werbung fördert diese Veränderung aus ganz eigennützigen Gründen. Die Kultur hält da aber oft noch dagegen, etwa in Liebesliedern und Thai Schnulzen. 
In dieser Situation ergeben sich zwei Entwicklungen: Auf seiten der Männer wird der Wert-Charakter in den Vordergrund geschoben, nach dem Motto, „Meine Frau ist schöner als Deine“ oder „Ich bin so wohlhabend, ich kann mir sogar eine Zweitfrau leisten(!)“. Auf der gleichen Schiene wird auch erwartet, daß die Frau möglichst unversehrt, sprich unberührt, in die Ehe kommt, der Mann aber muß seine „Männlichkeit“ ausprobieren und ausleben und geht daher zu Prostituierten, „um Dampf abzulassen“. Das ist allgemein als normal anerkannt unter Thai Männern, und viele (aber nicht alle!) verheirateten Frauen sehen das eher pragmatisch: Eine Prostituierte im Massage-Salon ist weniger tragisch/gefährlich als eine Zweitfrau, die tendenziell die eigene Rolle übernehmen könnte, wenn „Frau“ eines Tages nicht mehr so begehrenswert scheint. Zumal eine Scheidung in Thailand keine Affäre ist, das geht ruck-zuck. In besseren Familien gibt es allerdings Verteilungskämpfe, da dort auch meist standesamtlich getraut und dann gerichtlich geschieden wird. Die Mehrheit der Thais aber heiraten nur religiös, im Tempel („vor Buddha“), was auch keine finanziellen Konsequenzen bei einer Trennung mit sich bringt. Unter den betuchteren Thais gilt der Spruch, „die Frau ist für den Nachwuchs und das Geschäft da, die Freundin für das „Vergnügen“. Herbe, aber wirklich die Ansicht der Männer.
Die Prostitution gab es in Thailand schon viel länger als im Westen angenommen, denn die amerikanischen GIs haben das nicht erfunden, sondern vorgefunden… und ausgenutzt. Es gibt in so gut wie jedem Kaff ein wie auch immer geartetes Bordell, sei es ein „Massagesalon“, eine Karaoke-Bar, ein Restaurant mit extra Service im Hinterzimmer oder ein Drive-In Motel, in das man mit der Dame hinein fährt und in dem dann sofort der Vorhang hinter dem Auto zugezogen wird, damit man die Auto-Kennzeichen nicht von außen erkennen kann. Und dazwischen gibt es auch noch Mischformen. So wollte ich vor Jahren mal in einem „Barber Salon“ meine Haare schneiden lassen, aber die jungen Damen hatten von allem eine Ahnung, nur nicht vom Haare schneiden… Sie wollten mich dazu bewegen, doch besser mit in den oberen Stock zu kommen.
Wenn ich von meiner Wohnung die Straße rauf und runter schaue, dann sehe ich vielleicht ein halbes Dutzend Massagesalons. Der normale Ausländer wird da ahnungslos daran vorbeigehen oder fahren, weil er die Thai Schrift nicht lesen kann, mit der jeder Massagesalon ganz groß wirbt. Und das ist auch so gewollt. Zumal die meisten solcher Establishments keine Ausländer als Kunden akzeptieren. Aber wichtiger ist, daß den Ausländern nicht auffällt, wie groß diese „Industrie“ wirklich ist, denn das wäre wiederum schlecht für das nationale Image. Vor Jahren hat mal eine Universität, ich glaube, das war sogar die Chulalongkorn Universität, eine Umfrage unter Prostituierten gemacht, wobei neben anderem herauskam, daß ca. 93 % aller Damen in ihrem ganzen „Berufsleben“ nicht mit Westlern zu tun hatten, sondern nur mit Asiaten, zumeist Landsleuten.
In den letzten Jahrzehnten wird auch die Stellung der Prostituierten weniger krass abwertend angesehen. Wo sich früher keine Frau gewagt hätte, erkennbar als „leichtes Mädchen“ in der Öffentlichkeit aufzutreten, geht das inzwischen – teilweise – in der Anonymität der Großstädte. Aber bei der Familie auf dem Land wird sich unauffällig angezogen und unauffällig geschminkt. Selbst wenn das ganze Dorf weiß, woher das Geld für das neue Haus der Familie kommt, es gilt den Schein zu wahren.
Und es gibt immer noch die Zwei-Klassen-Gesellschaft unter Frauen, also die „anständigen“ und die „unanständigen“ Frauen. Nicht überall, aber fast überall ist das so. Beide „Arten“ werden versuchen, gegeneinander maximale Distanz zu wahren.
Aber ich schweife ab.
In dieser Situation, in der die Frauen scheinbar nicht die Richtung vorgeben, hat sich logischerweise ein Verhalten eingebürgert, das eben nur diesen Schein wahrt. Tatsächlich sind aber viele Frauen im Berufsleben – und hier meine ich nicht die Prostitution – in leitenden Positionen und sind Entscheidungsträger, auch im öffentlichen Leben und der staatlichen Verwaltung. Es gibt öffentliche Institutionen, die ganz überwiegend von Frauen betrieben und auch geleitet werden, etwa das Finanzamt. Im Unterschied zu Europa wird aber der Feminismus nicht deklariert und forciert. Niemand in Thailand würde auf die Idee kommen, eine Quotenregelung einführen zu wollen. Aber durch indirektes Agieren erreichen die Frauen viel öfters als gedacht ihre Ziele. Und sie sind sich bewußt, daß sie in den Firmen mehr leisten müssen als Männer, was aber wiederum meistens zu höherer Fertigkeit und damit einem besseren Ergebnis führt und damit ihre Position festigt. Ganz allgemein habe ich selbst festgestellt, daß Frauen verläßlicher in der Arbeitswelt sind, weshalb ich fast immer Frauen den Vorzug gegeben habe, wenn die Besetzung einer Position von meiner Ansicht abhängig war. Und ich bin dabei nie enttäuscht worden.
Einfach gesagt: Es kann vielleicht länger dauern, bis die Frauen eine neue Aufgabe gelernt haben, wenn es für sie etwas total Neues ist. Aber wenn sie einmal verstanden haben, worum es geht und was erwartet wird, dann brauche ich nicht alle Stunde kontrollieren,- wie bei den Männern. War also einfach einfacher für mich …
Unterm Strich kann man sagen, daß der Einfluß der Frauen in der Gesellschaft unterschätzt wird und daß die Frauen wenig Interesse daran haben, dies publikumswirksam zu ändern. Irgendwie erinnert mich das an den alten (deutschen?) Witz, in dem der Mann erklärt, warum er in der Familie das Sagen hat: Er bestimmt, wer der nächste Bundeskanzler wird und sie sagt, wo sie im nächsten Urlaub hinfahren.
Thailand ohne seine Frauen? Das Land wäre glatt verratzt.


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